Berichte

Weihnachtspäckli

Moldawien – nur gerade 1400 km Luftlinie von der Schweiz entfernt – und doch so anders; Moldawien, das Armenhaus Europas. Ein Land, das sehr fruchtbar ist und seit dem Zerfall der UdSSR im August 1991 immer mehr in die Armut gerät, obwohl eine florierende Landwirtschaft (Acker- und Weinbau) genügend Export-Einnahmen generieren würden, wenn nicht der Hauptabnehmer Russland den Import moldawischer Waren gestoppt hätte. So versuchen viele Arbeiter ihr Glück im Ausland und lassen ihre Familien zurück.

Vom 9. bis 18. Dezember 2019 wurden in Moldawien von drei verschiedenen Standorten aus die in der Schweiz zusammengestellten Weihnachtspäckli verteilt. Werner Schweizer aus Teufen  war mit einem siebenköpfigen Verteilteam in Carpineni im Südwesten Moldawiens stationiert. Neben Moldawien werden die 110’100 Pakete, die dieses Jahr total gesammelt worden sind, auch noch in Albanien, Bulgarien, Rumänien, Serbien, Weissrussland und der Ukraine verteilt.

Kindergärten und Schulen

Am Vormittag wurden in Carpineni selber, einem weitverstreuten Ort mit ca. 10’000 Einwohnern, oder in der näheren und weiteren Umgebung verschiedene Kindergärten und Schulen besucht. Die Kinder erwarteten jeweils voller Spannung und Vorfreude das Schweizer-Team, das von einer super eingespielten Gruppe Einheimischer begleitet und tatkräftig unterstützt wurde. Die beiden Gruppen ergänzten sich im Weitergeben der frohen Weihnachtsbotschaft und im Singen von deutschen und moldawischen Liedern mit christlichem Inhalt. Super, wie viele Kinder die Bewegungen beim Lied „Min Gott isch so gross“ mitmachen konnten! Jedes Mal war es eine grosse Freude danach in die strahlenden Augen der Kinder blicken zu dürfen, die zum Teil zum ersten Mal ein Päckli in ihren Händen halten konnten.

Mehr als eindrückliche Familienbesuche

Nach der Mittagspause standen Besuche bei Alleinstehenden, Kranken und armen Familien auf dem Programm. Für die aus dem Wohlstand kommenden Schweizer war es ein eigentlicher Kulturschock und kaum zu glauben, mit ansehen zu müssen, wie die Menschen zum Teil in einer riesigen Armut leben. Mehr als einmal wurden Kinder angetroffen, die allein im Haus waren oder bei einer Tante und deren Kindern wohnten, weil ihre Eltern im Ausland arbeiten und buchstäblich von der Hand in den Mund leben. Wie kann doch da so ein unerwartetes Paket eine riesige Freude auslösen und Hoffnung in den Alltag bringen! Verschiedene ältere Frauen, die schon jahrelang Witwen sind, waren dankbar für den Besuch, da auch genügend Zeit fürs Anteil nehmen, ein Bibelwort und ein Gebet blieb. Besuche bei kranken Menschen blieben den Schweizern ganz besonders in Erinnerung und gingen richtig unter die Haut.

Zu Herzen gehende Schicksale

Jelena, eine 60-jährige Frau, liegt nach einem Sturz vom Baum seit zwölf Jahren gelähmt im Bett. Ihr herzkranker Sohn wohnt nebenan und ihr Mann frönt leider dem Alkohol. Jedes Jahr freut sie sich auf einen Weihnachtsbesuch.

Unglaublich, in welch ärmlichen Verhältnissen der 56-jährige Andrei in einer Blechhütte lebt. Seit einem Motorradunfall vegetiert der hirnverletzte, aber eigentlich intelligente Mann vor sich hin. Sein vorheriges Zuhause steht nebenan: eine Hütte, durch deren defektes Dach man den Sternenhimmel sieht oder es hineinregnet respektive –schneit.

Geradezu wohltuend war der Besuch beim 32-jährigen Georgii, der mit dem Down Syndrom lebt. Jeden Besucher begrüsste er mit einem strahlenden Lachen und umarmte ihn aufs Herzlichste. Er wohnt mit seiner 76jährigen Mutter, die seit 20 Jahren Witwe ist, im gleichen Häuschen, das sehr sauber gehalten wird. Wie freute sich doch Georgii über jeden einzelnen Gegenstand in seinem Päckli. Alles kommentierte er lautstark und übers ganze Gesicht lachend.

Nur zu rasch gingen die Tage in Moldawien zu Ende. Tief berührt und in ihren Herzen bewegt kehrten die Schweizer in ihre Heimat zurück. 

Werner Schweizer


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